07.04.2005

Elternzeit

12.12.2004

Falling down

Es gibt Tage, an denen sollte man keine Vertraege unterschreiben. Rueckkehrtage gehoeren dazu. Man ist zwar irgendwie rechtsfaehig, weil anwesend. Doch die Gedanken sitzen noch im Flugzeug. Von dort scheinen alltaegliche Belange von vernachlaessigbarer Bedeutung. Ein fataler Irrtum.

Kaum war ich aus Moskau zurueck, sass ich mit meiner Freundin bei einer Hebamme. Wir hatten Termin im Geburtshaus. Vor uns lag ein Stueck Papier. Es verpflichtete uns, Geld an die Hebamme zu ueberweisen. Und das auch, falls meine Freundin nicht im Geburtshaus niederkaeme.

Wird schon schiefgehen, dachte ich. Und unterschrieb.

Zu Hause las ich die Anlagen. Ich stolperte ueber den letzten Satz: "Der Mutterkuchen wird vom Geburtshaus nicht entsorgt, aus diesem Grund erklaeren Sie sich bereit, diesen nach der Geburt mitzunehmen und selbst im Sondermuell zu entsorgen."

Ich schluckte. Bitte? Ich sah uns am Tag der Geburt zu viert aus dem Geburtshaus treten: Meine Freundin, unser Kind, mich und den Mutterkuchen. Letzteren galt es loszuwerden, bevor wir zu Hause ankamen. Sonst wuerde er ewig im Flur rumliegen.

Ich hatte schon in weniger komplexen Situationen versagt. In Moskau musste ich meinen Muell immer irgendwo auf dem Weg zur Arbeit entsorgen. Meine Vermieterin Natascha wollte es so.

Zwar besass ihre Wohnung, die einst unter Stalin gebaut worden war und heute Stalin's Schwester hiess, einen Muellschlucker. (Der sozialistische Mensch sollte ja schliesslich von allen niederen Taetigkeiten befreit werden. Muell runter tragen eingeschlossen.) Doch die kritische Sowjetintellektuelle Natascha war gegen Muellschlucker. Ihren hatte sie mit einem Schrank zugestellt.

Zweimal die Woche schulterte ich also nicht nur die Arbeitstasche, sondern einen runden weissen Muellbeutel. Den unterwegs loszuwerden, war leichter gesagt als getan. Das erste Mal war schlimm.

Im Beutel befanden sich Fischdosen und anderes geruchsintensives Zeugs. Der erste kommunale Muellkuebel stand direkt vorm Haus. Froehlich versenkte ich den Beutel. Da lief ein Mann auf mich zu. Er hiess mich zornig, mitsamt dem Beutel zu verschwinden. Der Muelleimer schien den umstehenden Budenbesitzern vorbehalten. Ich hatte mich mit einer Art Muellkartell angelegt.

Die naechste Tonne fand ich neben dem Metroeingang. Als ich den Muell in ihr versenken wollte, traten mehrere Milizionaere heran. In Moskau hat man sich gerade etwas mit Menschen, die aus der Reihe tanzen. Krieg gegen den Terror. Ich wollte nicht in Bombenlegerverdacht geraten und laestige Fragen beantworten muessen. Deswegen lief ich an den Milizionaeren vorbei. In die Metro. Mit dem Beutel.

Auf den Metrobahnsteigen gab es keine Muelleimer. Dafuer waren die Zuege voll. In meinem Wagen stank es. Nach Dosenfisch. Und nach anderem geruchsintensiven Zeug. Ich schloss die Augen, um nicht sehen zu muessen, wie mich alle anstarrten.

Mein Arbeitsweg dauerte fuenfzig Minuten. Als ich vor dem Verlagsgebauede ankam, hatte ich immer noch den Muellbeutel in der Hand. Vor dem Haus traf ich auf einen Fachmann. Einen Strassenfeger, der eine Muelltonne auf Raedern besass.

"Kann ich ihnen meine Tuete anvertrauen", rief ich ihm zu. Was denn drin sei, fragte er. Fischdosen. Und anderes geruchsintensives Zeug, sagte ich. Der Strassenfeger zuckte mit den Schultern. Nannte eine Zahl. Ich gab ihm Geld. Und die Tuete.

Im Eingang drehte ich mich noch einmal zu ihm um. Der Mann hatte die Tuete neben seine Tonne gelegt und geoeffnet. Stocherte mit seinem Besen darin herum.

In den naechsten zwei Minuten wird er mehr ueber mich erfahren als ich in den letzten 30 Jahren, dachte ich. Ich traf den Strassenfeger an den folgenden Tagen immer wieder. Er laechelte mich seltsam an.

Stalin war ein uebler Mensch, dachte ich dann. Aber Muellschlucker waren eine feine Sache. Schoen diskret. Irgendwie war doch nicht alles schlecht gewesen, frueher.

In zwei Monaten werde ich mit einer Tuete Plazenta durch eine deutsche Stadt laufen. Die Generalprobe habe ich hinter mir.

Programmtipp: Zwei Monate sind rum. Moskauerzeit geht offline. Welche anderen Moskau-Blogs es gibt, erfahren Sie bei "google.de". Ich empfehle die satirischen Putin-Anekdoetchen auf "vladimir.vladimirovich.ru". Die gibt es auf russisch, englisch und deutsch. Viel Vergnuegen.

(Falling down, USA 1992)

braun um 09:14 |
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11.12.2004

Rosen fuer den Staatsanwalt X

Links zum Wahlmarathon in der Ukraine.

Englischsprachige Auftritte russischer Agenturen: Interfax, Itar-Tass.

Moskauer Korrespondenten aus Kiew:
Der russische Praesident Putin kann sich neuerdings vorstellen, dass die Ukraine irgendwann zur EU gehoeren wird.

Etwas weniger flexibel zeigt sich Janukowitsch. Der hat gestern noch einmal kraeftig gegen seinen einstigen Foerderer Kutschma zugelangt. Verbal, versteht sich. "In diesem Land gibt es keinen Praesidenten. Wenn sie einen sehen, zeigen sie ihn mir. Wo war er denn waehrend des orangefarbenen Putsches", sagte Janukowitsch waehrend einer Pressekonferenz.

Bereits vorher hatte sein Wahlkampfstab bekannt gegeben, dass Janukowitsch nun nicht mehr als "praesidentennah" anzusehen sei. Denn Kutschma unterstuetze offen Juschtschenko.

Die Kiewer Orangenrevolution hat also erst einmal dazu gefuehrt, dass am 26. Dezember zwei Oppositionsfuehrer gegeneinander antreten werden.

Praesident Kutschma zeichnete unterdessen Radasprecher Litwin aus. Und zwar dafuer, dass dieser geholfen hat, jene politischen Reformen durchzuboxen, die das Praesidentenamt dem Parlament gegenueber schwaechen.

Was noch?
Die "Kyiv Post" fasst fuer uns ein Interview mit Julia Timoschenko zusammen. In diesem gibt sie ihre Agenda fuer die Zeit nach der Wahl bekannt. Ganz oben stehen Kampf fuer Pressefreiheit und gegen Korruption.

Waehrend sich die Organisatoren ueber die Zukunft der Zeltstadt Gedanken machen, treiben Revolutionsschwindler ihr Unwesen. Auf den Internetseiten "2advantage.net" und "orange-revolution.org" wird zu Spenden fuer die Orangenrevolution aufgerufen. Der Maidan-Server warnt: Gott allein weiss, wem die Bankverbindungen gehoeren, die dort angegeben sind.

Fuer die Zeltstadtbewohner soll es heute ein Konzert geben. Wer da nicht hin kann, bedient sich zweier Downloads des Gayportals "GayUA.com". Dort hat's Revolutionslieder fuer den Heimcomputer.

Weiterlesen in den russischen oder ukrainischen Online-Medien.

(Rosen fuer den Staatsanwalt, BRD 1959)

braun um 12:58 |
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09.12.2004

Rosen fuer den Staatsanwalt IX

Links zum Wahlmarathon in der Ukraine.

Englischsprachige Auftritte russischer Agenturen: Interfax, Itar-Tass.

Moskauer Korrespondenten aus Kiew:

Viktor Juschtschenko habe das Land fuer ein Jahr ueberlassen bekommen, moderiert der "Kommersant" seinen Bericht ueber den Kompromiss in der Ukraine an. Zwar sei ziemlich sicher, dass der Oppositionsfuehrer am 26.12. gewinne. Doch wenn die Verfassung in Kraft trete, verloere er einen Grossteil der gewonnen Macht wieder.

Ausserdem steht zu lesen, dass Julia Timoschenkos Foto erst nach der Wahl im Dezember wieder auf der Internetseite von Interpol erscheinen wird. Grund: Der europaeische Polizeidienst wolle nicht in politische Prozesse eingreifen.

"Timoschenko ist Juschtschenkos wichtigster Mann", sagt Konstantin Satulin der "Gazeta". Und er erklaert, warum es zwischen beiden Oppositionsfuehrern nach der Wahl zum Konflikt kommen koennte. Unter anderem naemlich deshalb, weil Juschtschenkos westukrainisch gepraegte Umgebung die Frau aus dem Osten "prinzipienlos" findet.

Was noch?

Der Maidan-Server hat uns noch die aktuelle Rede Timoschenkos ins englische uebersetzt. Er meldet darueber hinaus, dass das Kiewer Zeltlager solange weiter bestehen soll, bis Juschtschenko endgueltig zum Sieger erklaert wurde. Zudem soll die Praesidialadministration vorerst weiter blockiert werden. Ausser Janukowitsch duerften alle Mitarbeiter jedoch ungehindert passieren.

Die "Kyiv Post" fasst noch einmal den Kompromiss zusammen.

Weiterlesen auf russisch oder ukrainisch.

(Rosen fuer den Staatsanwalt, BRD 1959)

braun um 13:16 |
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Ein unmoralisches Angebot

Ein Gewinner der russischer Variante von "Wer will Millionaer werden" geht mit umgerechnet 27.000 Euro nach Hause. Das klingt unfair, verglichen mit deutschen Verhaeltnissen. Ist es aber nicht. Die Leute hier kommen besser vorbereitet ins Studio. In der Sendung muessen die Kandidaten aus vier moeglichen Antworten die richtige auswaehlen. Der russische Alltag bietet meistens mehr Alternativen. Und mindestens eine davon kommt einen richtig teuer zu stehen.

Vor ein paar Wochen stand in Moskau ein Mann vor Gericht. Eine Polizeistreife hatte sein Auto aus dem Feierabendverkehr gewunken. Er sollte Strafe zahlen.

Er habe versucht, Beamte zu bestechen, erzaehlten die Milizionaere spaeter dem Richter. Der Verteidiger des Ungluecksvogels sagt, sein Mandant habe die Beamten um einen offiziellen Strafzettel gebeten, anstatt das Geld einfach so wegzugeben. Das habe die Milizionaere aufgebracht.

Wenn der Richter den Milizionaeren glaubt, muss der mutmassliche Verkehrssuender vielleicht sogar in den Knast. Korruption ist kein Kavaliersdelikt. Zumindest auf dem Papier.

Vor ein paar Tagen fuhr ich in der letzten Metro nach Hause. Auf dem Bahnsteig frug mich ein Polizist nach meinem Pass.

Verdammt. Ich hatte ihn nicht dabei.

Ich versuchte mein Missgeschick zu erklaeren. Der Milizionaer schaute mich kurz an. Schuettelte den Kopf. Dann lies er seinen Blick entspannt ueber den Bahnsteig schweifen. Und sagte nichts.

Vielleicht erwartete er, dass ich den Saaljoker ziehe, dachte ich. In der Millionaersshow darf der Kandidat das Publikum befragen, wenn er nicht weiter weiss. Aber ausser mir, dem Milizionaer und und einigen Ueberwachungskameras war niemand zu sehen.

Ich versuchte einen Scherz. Anstatt zu lachen, nannte der Beamten eine Zahl. 20. Euro, schob er hinterher.

Ich verfiel auf den Telefonjoker. Irgendwo habe ich gelesen, man koenne die Botschaft anrufen, wenn man Aerger mit der Polizei hat. Ich kramte mein Telefon aus der Tasche. Die Pre-paid-Karte war leer.

Der Milizionaer wurde ungeduldig. "Gehen wir", sagte er. Und nahm mich beim Ellenbogen. Wir liefen zur Rolltreppe.

Im Mai 2005 feiert Schroeder in Moskau den Sieg der Sowjetarmee ueber das nationalsozialistische Deutschland. Falls ich im Gefaengnis landete, waere das ein guter Zeitpunkt fuer ein Gesuch auf vorzeitige Haftentlassung.

Aber so lange wollte ich nicht bleiben. "Genosse Milizionaer", sagte ich, "was halten Sie von Sechs Euro?" Er schaute mich an. Laechelte. Nickte. Ich gab ihm das Geld. Er wollte gehen.

Die Kameras, schoss es mir ploetzlich durch den Kopf. Die Ueberwachungskameras. Vielleicht war ich in eine Falle getappt. Wie der unglueckliche Autofahrer.

Laut und deutlich hoerte ich mich sagen: "Ich brauche eine Quittung, bitte." Der Milizionaer drehte zu mir um. Er sah mich an, als haette ich den Verstand verloren.

Er schuettelte wieder den Kopf. Er machte den Mund auf, als wolle er etwas sagen. Sagte aber nichts. Drehte sich um. Und ging.

Ich kaufte eine neue Telefonkarte und meldete mich bei der 27.000-Euro-Show an. Ich war reif.

(Ein unmoralisches Angebot, USA 1992)

braun um 12:12 |
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06.12.2004

00 Schneider

Die "Limonowzy" kommen! Eine Jugendbrigade der russischen Nationalbolschewisten machte sich daran, in das Haus einer Bekannten einzuziehen. Es begann damit, dass bezopfte Maedchen und nachdenklich dreinblickende Jungs sich unten im Eingang herumtrieben. Sie hatten ein paar Raeume im Keller des Mehrfamilienhauses angemietet. Diese trachteten sie, zu einem Treffpunkt auszubauen. Mit Versammlungstisch, Couch und kleiner Teekueche. Die neuen Mieter trugen mit Vorliebe schwarz.

Ihr Fuehrer heisst Eduard Limonow. Er gehoerte in den Siebzigern zum sowjetischen Dissidentennachwuchs. Dann emigrierte er. Nach Paris. Nach New York. Der Kuschelfaktor dieser Metropolen lag weit unter jenem, den Limonow in den Kuechen Moskauer Gleichgesinnter erfahren hatte. Deshalb sammelte er in New York Stoff fuer ein antiamerikanisches Pamphlet. Ueber Einsamkeit. Verzweiflung. Und den ganzen Rest. In den Neunzigern kehrte er als Schriftsteller zurueck, promotete erfolgreich sein Pamphlet und gruendete seine eigene Partei.

Limonows Nationalbolschewisten mischen eine diffuse Verachtung fuer den Kapitalismus mit je einer Portion Antisemitismus und Personenkult ab. Hin und wieder machen die zumeist jugendlichen "Limonowzy" mit spektakulaeren Aktionen auf sich aufmerksam. Letztens stuermten sie das Gesundheitsministerium und warfen Putinbilder aus dem Fenster.

Dass die jungen Wirrkoepfe nun im Hauseingang herumstanden, beunruhigte die Mieter. Nun ja, unfertiger Nachwuchs einerseits, dachten sie. Mit Recht auf Irrtum. Und eigentlich sehr hoeflich. Andererseits: Wie die aussehen. Und wer weiss, was die vorhaben. Eine Mieterinitiative begann Unterschriften gegen die "Limonowzy" zu sammeln.

Die Mutter meiner Bekannten verweigerte ihre Unterschrift. In den 1970ern hatte sie in Dissidentenkreisen verkehrt. Sie kannte den Chef der kleinen Schwarzen. Dieser Limonow, sagte sie - sein Geschreibe sei ja unertraeglich. Da muesse man nicht drueber streiten. Aber naehen konnte er. Wie ein Meister. Damals fuer meine Tochter. Diese Hosen - einfach Klasse. Superschnitt. Richtig westlich. Mit Schlag und so. Und das fuer 25 Rubel. So redete sie sich in Fahrt. Lange hoerte sie nicht auf, von den Hosen zu schwaermen.

Zuerst dachte ich, die hosengeleitete Limonowbegeisterung sei geschlechtsabhaengig. Ich irrte. Vor ein paar Tagen nervte ich einen Herren, der sich selbst als Schriftsteller ausgab. Meine naiven Fragen zu Sorokin und Pelewin, die quasi seine erfolgreichen Kollegen sind, machten ihn einsilbig. Er war um die Fuenfzig. Wir tranken Bier. Er rauchte meine Zigaretten. Wahrscheinlich haette er lieber ueber seine Buecher geredet.

Erst als ich nach Limonows Hosen fragte, taute er auf. Tatsaechlich, auch er hatte ein Paar besessen. Er sprang von seinem Stuhl auf. Stellte sich vor mich hin. Griff sich in den Schritt. Dann auf die Oberschenkel. Hier waren sie eng, sagte er. Aber unten: Ein toller Schlag.

Der Mann, der sich als Schriftsteller ausgab, hielt die Nationalbolschewisten fuer dumm. Die Hosen jedoch, die deren Chef einst naehte! Daumen hoch.

Wahrscheinlich werden die jungen "Limonowzy" aus den Kellerraeumen rausfliegen. Denn die Mutter meiner Bekannten ist die einzige Mieterin im Haus, die frueher mit Dissidenten verkehrte. Folglich ist sie auch die einzige, die je eine Limonow-Hose besessen hat. Woraus wiederum folgt, dass nur fuer sie Limonow ein wenig mehr ist als ein Scharlatan.

Pech. Das Waehlerpotenzial, das Limonow mit seinem Verein mobilisieren kann, liegt im nicht sichtbaren Bereich. Und dabei wird es bleiben. Haette der Mann mehr Hosen genaeht, anstatt Buecher zu schreiben und Leute aufzuwiegeln - er waere laengst Praesident geworden.

00 Schneider. Der Erste. Auf Lebenszeit.

PS: Vor zehn Jahren begann der Tschetschenien-Krieg. Im Wochenmagazin "Kommersant Wlast" erinnert sich der General Gennadij Troschew: "Die Operation begann blindlings". Dazu gibt es Stimmen aus Grosni. Die Iswestija startet heute eine Reihe: Warum der russische Sicherheitsdienst Basajew nicht fangen kann.

(00 Schneider, Deutschland 1994)

braun um 11:44 |
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03.12.2004

Rosen fuer den Staatsanwalt VIII

Links zum Wahlmarathon in der Ukraine.

Englischsprachige Auftritte russischer Agenturen: Interfax, Itar-Tass.

Moskauer Korrespondenten aus Kiew:

Ab zehn Uhr Ortszeit tagt das Oberste Gericht der Ukraine. Geben die Richter heute bekannt, wie sie die Ergebnisse der zweiten Runde der Praesidentenwahlen bewerten?

In den letzten Tagen hatte die Opposition jede Menge Belege dafuer vorgelegt, dass das Wahlergebnis gefaelscht wurde. Der Kommersant beobachtete gestern den Auftritt von Ruslan Knjasewitsch. Das fruehere Mitglied der Zentralen Wahlkommission hatte sich nach der Stimmenauszaehlung geweigert, das offizielle Endergebnis zu unterschreiben. Gestern erklaerte er den Richtern, warum.

Aus den Gebieten Charkow, Donezk, Dneprpetrowsk und Lugansk seien noch am Tag nach der Wahl rund eine Millionen Stimmen zugunsten von Janukowitsch in das elektronische Erfassungssystem eingespeist worden, habe Knjasewitsch erzaehlt. Wie das gehe, haetten die Richter wissen wollen. Wahrscheinlich mithilfe des Zugangscode zum Erfassungssystem, so der ehemalige Wahlmanager.

Auch jenseits der inhaltlichen Fragen mache die Opposition vor Gericht eine gute Figur, meint Reporter Kolesnikow. Ihre Anwaelte hinterliessen einen aufgeweckteren Eindruck als die Janukowitsch-Leute. Und nicht zuletzt seien Juschtschenkos Rechtsvertreter besser angezogen.

Die "Gazeta" setzt uns noch einmal auseinander, dass es keinen neuen Wahltermin geben wird, bevor das oberste Gericht eine Entscheidung gefaellt hat. Ausserdem lesen wir ein paar Politiker-Statements zu der Frage: "Was hat Kutschma in Moskau gemacht?" Dazu gibt's noch einen Dialog zwischen Putin und Kutschma (leider ohne Quellenangabe). Und als Sahnehaeubchen hat Igor Irtenew uns ein paar Zeilen darueber zusammengereimt, wie einseitig das russische Staatsfernsehen aus der Ukraine berichtet.

Was noch?

Die "Kyiv Post" fasst noch einmal zusammen, was gestern passierte, und was uns demzufolge heute erwartet. Julia Timoschenko berichtet darueber, wie sie half, das ukrainische Parlament zu seinem Misstrauensvotum gegen die derzeitige Regierung zu bewegen. Ausserdem spricht sie ueber ihre Rolle in der ukrainischen Opposition. (alle auf englisch)

Schliesslich erfahren wir, dass sich die Fahrkartenverkaeufer in der Provinz dafuer interessieren, an wen sie Tickets nach Kiew verkaufen.

Weiterlesen auf russisch oder ukrainisch.

(Rosen fuer den Staatsanwalt, BRD 1959)

braun um 07:34 |
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01.12.2004

Rosen fuer den Staatsanwalt VII

Links zum Wahlmarathon in der Ukraine.

Englischsprachige Auftritte russischer Agenturen: Interfax, Itar-Tass.

Moskauer Korrespondenten berichten aus Kiew:

Seinen Eindruck von der gestrigen Debatte im ukrainischen Parlament, der Rada, schildert uns Andrej Kolesnikow. Der Kommersant-Reporter beobachtete unter anderem, wie Julia Timoschenko im Sitzungssaal mit Viktor Juschtschenko sprach. Dieser sei gerade dabei gewesen, seine Rede vorzubereiten. Heftig habe Timoschenko auf den mutmasslichen Wahlsieger eingeredet. Der habe dazu nachdenklich genickt. "So hoert ein Fussballer vor dem Spiel der Order seines Trainers zu, wohl wissend, dass er nur so gut spielen wird, wie er eben kann."

Wer hat die Hosen an bei der ukrainischen Opposition?

Als die Demonstranten sich gestern daran machten, das Parlamentsgebaeude zu stuermen, stellten sich zwei Politiker vor die Rada und beschwichtigten die revolutionaer gestimmten Massen. Das berichtet uns Gazeta-Reporter Sergej Borowikow. Die Rada sei derzeit das einzig legitime Organ staatlicher Macht, habe Parlamentssprecher Litwin gerufen. Und Juschtschenko habe seine Leute dazu angehalten, auf dem Maidan zu warten. Er habe den Sturm auf die Rada fuer eine "Provokation" gehalten.

Spaeter berief Julia Timoschenko eine Pressekonferenz ein. Dort verkuendete sie, dass der Sturm auf das Parlament von Mitgliedern der oppositionellen Fuehrungsmannnschaft sanktioniert gewesen sei.

Timoschenko als die Jeanne d'Arc der Opposition, Juschtschenko als der unbeirrbare oppositionelle Demokrat - eine abgesprochene Rollenverteilung?

Im Parlament trug Juschtschenko gestern eine Schlappe davon. Der Misstrauensantrag gegen die Regierung scheiterte an den Stimmen der Kommunisten.

In der ukrainischen Hauptstadt zeigt sich unterdessen immer deutlicher, dass der politischen Krise eine wirtschaftliche folgt. Aus den Kiewer Laeden verschwaenden die Waren, berichten die Reporter der "Nowaja Iswestija". Dollars liessen sich nur noch schwer beschaffen. In der Metro werde nicht mehr so euphorisch gelaechelt.

Selbst die politischen Witze waren schon mal lustiger.

Weiterlesen.

(Rosen fuer den Staatsanwalt, BRD 1959)

braun um 11:02 |
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30.11.2004

Rosen fuer den Staatsanwalt VI

Links zum Wahlmarathon in der Ukraine.

Englischsprachige Auftritte russischer Agenturen: Interfax, Itar-Tass.

Moskauer Korrespondenten aus Kiew:

Von einem glimpflich abgelaufenen Abenteuer auf den unruhigen Kiewer Strassen unterrichtet uns Kommersant-Reporter Andrej Kolesnikov. Er waehnte sich von Spezialeinheiten verfolgt. Wie sich dann heraus stellte, hatten die jedoch nur ein Ziel. Sie wollten nicht noch eine Nacht in den Autobussen hinter der Praesidialadministration schlafen muessen.

Auch wenn der Protest in der Hauptstadt weitgehend friedlich verlaeuft - aus der Provinz mehren sich die Berichte ueber Gewalttaetigkeiten. Im ostukrainischen Lugansk haetten 300 junge Maenner in schwarzen Lederjacken eine Gruppe von 50 Journalisten und internationalen Wahlbeobachtern verpruegelt, schreibt Elena Gajduk, die fuer die "Neue Iswestija" aus Kiew berichtet. Mit weiteren Details versorgt uns der Maidan-Server - hier und hier. (englisch)

Gajduk brachte auch in Erfahrung, dass selbst in den ukrainischen Gefaengnissen sich jetzt Widerstand gegen Janukowitsch regt. Einige Haeftlinge seien in den Hungerstreik getreten. Ausserdem zeigten die Meteorologen der zentralen ukrainischen Wetterstation Flagge. Wetterprognosen gaebe es von dort nur noch fuer das Juschtschenkolager.

Neue Wahlen - neues Gesicht? Kutschma hat einen zweiten Urnengang vorgeschlagen. Bei diesem tritt vielleicht nicht mehr Janukowitsch an, sondern Sergej Tigipko. Der 44 Jahre alte Bankier ist geschaeftlich mit Viktor Puntschik verbandelt, welcher wiederum zur Kutschma-Familie gehoert. Dies und weitere Details uebermittelt uns Gazeta-Reporter Sergej Borowikow.

Puntschik spielt eine zentrale Rolle im Kutschmalager und in der ukrainischen Finanzoligarchie. Er ist der zweitreichste Geschaeftsmann des Landes. Deswegen lesen wir mit Interesse, was er von den Abspaltungstendenzen in der oestlichen Ukraine haelt. Naemlich wenig. (englisch)

Subtiles Statement oder reiner Zufall? Die ukrainische Frauenzeitschrift "Natali" raesoniert in ihrer Dezemberausgabe ueber die heilende Wirkung der Apfelsine. Diese hielte unter den Zitrusfruechten den Rekord in Sachen Vitamingehalt. Jetzt zugreifen.

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(Rosen fuer den Staatsanwalt, BRD 1959)

braun um 09:08 |
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29.11.2004

Rosen fuer den Staatsanwalt V

Links zum Wahlmarathon in der Ukraine.

Englischsprachige Auftritte russischer Agenturen: Interfax, Itar-Tass.

Moskauer Korrospondenten aus Kiew:

Eine Revolution verursacht einen Haufen organisatorischer Arbeit, erfahren wir heute aus dem Kommersant. Das ahnten wir irgendwie. Jetzt koennen wir es genauer nachlesen. Reporter Andrej Kolesnikow traf sich mit dem technischen Leiter der Zeltstadt auf dem Kreschtschatik, Taras Ligonow. Der bringt entsprechende Berufserfahrung mit. Frueher organisierte er Zeltausfluege fuer Kinder.

Im Juschtschenkolager stuenden rund 160 Zelte. In jedem wohnten 4-5 Leute. "Unsere Hauptaufgaben sind - Ueberleben und Muell wegraeumen", sagt Ligonow. Besonders stolz ist er auf die interne Struktur seines Revolutionslagers: "Wir haben ein hartes Passierscheinsystem."

Ligonow haelt die Janukowitschanhaenger fuer minderbemittelt. Da liegt er vielleicht ein bisschen daneben, meint unser Kommersant-Reporter. In deren Lager, das sich im Wartesaal eines Bahnhofs befindet, gebe es naemlich keine Passierscheine. Nur eine Parole. Die lautet nicht etwa "Janukowitsch" oder "Viktor", sondern: "No pasaran."

Wie leicht es den Juschtschenko-Anhaengern gelang, das Janukowitsch-Camp vor jenem Haus zu uebernehmen, in dem sich fuer gewoehnlich das ukrainische Kabinett trifft, erzaehlt uns Gazeta-Reporter Borowikow. Die "Donjezkije" waren einfach abgereist.

Ueber die Verfassung der Spezialeinheiten, die auf die Praesidialadministration aufpassen, informiert uns die Reporterin der "Nowaja Iswestija", Swetlana Gamanowa. Unter diesen gebe es einen Wettbewerb. Die Sieger duerften in der ersten Reihe vor den Belagerern stehen. Dort wuerden ihnen von den Juschtschenko-Leuten Brot und Piroggen gereicht. Ihr Arbeitgeber hat dies in den letzten drei Tagen versaeumt. Ausserdem koennten sie in der ersten Reihe Zettel mit Nachrichten an ihre Angehoerigen loswerden.

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(Rosen fuer den Staatsanwalt, BRD 1959)

braun um 07:56 |
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